Nach sechs Jahren Studium und dem dritten Staatsexamen kommt das erste Gehalt, das diesen Namen verdient. Gleichzeitig kommen 24-Stunden-Dienste, die Facharztweiterbildung, vielleicht ein Umzug in eine neue Stadt. Für die eigenen Finanzen bleibt wenig Zeit, und genau in dieser Phase melden sich Bankberater, Strukturvertriebe und Kollegen mit gut gemeinten Tipps. Viele schieben das Thema deshalb auf oder unterschreiben etwas, das sie nicht wirklich verstanden haben.
Beides kostet Geld. Wer erst als Facharzt oder Oberärztin anfängt, verschenkt die Jahre, in denen der Zinseszins am stärksten wirkt. Wer früh das falsche Produkt abschließt, zahlt über Jahrzehnte Kosten, die einen großen Teil des Ertrags auffressen.
Dieser Artikel zeigt dir, in welcher Reihenfolge du deine Finanzen in der Weiterbildung aufbaust, was mit dem ersten Gehalt sinnvoll ist, warum dein Zeitvorteil größer ist als jeder Renditeunterschied, welche Fehler junge Ärzte machen und wie eine einfache Startstrategie aussieht.
Als Assistenzarzt bist du finanziell in einer ungewöhnlichen Lage: Dein Tarifgehalt liegt über dem, was die meisten Berufseinsteiger verdienen, dein Lebensstil ist aber meist noch der aus dem Studium. Diese Lücke ist dein wichtigster Hebel für den Vermögensaufbau, und sie schließt sich schnell, sobald Auto, Wohnung und Urlaube mit dem Gehalt mitwachsen.
Dazu kommt der Faktor Zeit. Die Mindestdauer der Facharztweiterbildung liegt je nach Fachrichtung bei fünf bis sechs Jahren, in der Praxis dauert sie oft länger. Wer in dieser Zeit mit einem Sparplan beginnt, hat bis zum Ruhestand rund vier Jahrzehnte Anlagehorizont. Bei so langen Zeiträumen ist nicht die Höhe der monatlichen Rate entscheidend, sondern dass sie überhaupt läuft. Ein kleiner Betrag, der früh startet, kann am Ende mehr wert sein als ein deutlich größerer, der zehn Jahre später beginnt (siehe Beispielrechnung unten).
Die häufigste Frage lautet, in welchen ETF man investieren soll. Diese Frage steht aber erst an dritter Stelle, vorher gehören zwei Dinge geklärt.
Drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto, getrennt vom Girokonto. Der Notgroschen ist keine Geldanlage, er ist eine Versicherung gegen den Zwang, im falschen Moment Anteile verkaufen zu müssen: Autoreparatur, Umzug, eine unbezahlte Lücke zwischen zwei Verträgen. Wenn dieser Puffer steht, kannst du Kursschwankungen im Depot gelassen aussitzen.
Dein größtes Vermögen ist in den ersten Berufsjahren nicht dein Depot, sondern dein zukünftiges Einkommen als Ärztin oder Arzt über drei bis vier Jahrzehnte. Fällt es durch Krankheit oder Unfall weg, hilft kein Sparplan. Viele verlassen sich auf das Versorgungswerk, dessen Berufsunfähigkeitsrente in der Regel aber voraussetzt, dass du jede ärztliche Tätigkeit dauerhaft aufgibst, nicht nur die in deiner Fachrichtung; eine teilweise Berufsunfähigkeit reicht dort meist nicht. Die Höhe richtet sich nach Satzung, Beiträgen und eventuellen Zurechnungszeiten und reicht in den ersten Berufsjahren oft nicht für den Lebensstandard.
Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung schließt diese Lücke. Je nach Tarif leistet sie in der Regel schon, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich dauerhaft zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst, und gute Bedingungen verzichten darauf, dich auf einen anderen Beruf zu verweisen. Für Ärzte zählt außerdem die Infektionsklausel (Leistung bei behördlichem Tätigkeitsverbot wegen Infektionsgefahr). Für den Abschluss in der Weiterbildung spricht: Beitrag und Annahme hängen von Eintrittsalter und Gesundheitszustand ab, beides ist jetzt vermutlich so günstig wie nie wieder. Worauf es bei Bedingungen und Tarifen ankommt, findest du auf der Themenseite Versicherung für Ärzte.
Erst jetzt kommt die Geldanlage. Ein monatlicher Sparplan auf einen breit gestreuten, kostengünstigen Aktien-ETF ist für viele Assistenzärzte ein sinnvoller Kern. Breit gestreut heißt: weltweit, viele Länder, viele Branchen, statt einzelner Aktien oder Themenfonds. Kostengünstig heißt: laufende Kosten im Bereich weniger Zehntelprozent pro Jahr, ohne Ausgabeaufschlag, ohne Abschlussprovision. Mehr dazu auf der Themenseite Geldanlage für Ärzte.
Der erste volle Gehaltseingang ist ein guter Moment, um die Grundstruktur einmal sauber aufzusetzen.
Zinseszins bedeutet, dass nicht nur dein eingezahltes Geld Erträge erwirtschaftet, sondern auch die bereits erzielten Erträge. In den ersten Jahren fällt das kaum auf, die Kurve verläuft flach. Nach zwanzig, dreißig Jahren stammt ein immer größerer Teil des Depotwerts nicht mehr aus deinen Einzahlungen, sondern aus dem Wachstum des Wachstums.
Daraus folgt die wichtigste Regel für Assistenzärzte: Zeit im Markt zählt meist mehr als Feinheiten bei der Produktwahl. Zehn Jahre später zu starten lässt sich mit einer höheren Rate nur mühsam aufholen, weil die Jahre fehlen, in denen das Geld am längsten arbeitet. Umgekehrt ist klein anzufangen kein Problem: Die Rate kann mit jedem Gehaltssprung wachsen, der Zeitvorteil bleibt.
Aktienmärkte schwanken, einzelne Jahre können deutlich im Minus liegen. Breit gestreute Weltaktienindizes haben über lange Zeiträume historisch im Durchschnitt positive Renditen erzielt, aber die Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft. Der Zinseszinseffekt setzt voraus, dass du in Abwärtsphasen investiert bleibst, statt zu verkaufen. Genau dafür ist der Notgroschen aus Schritt eins da. Wenn du mit eigenen Zahlen rechnen willst, geht das im Zinseszinsrechner.
Die Fehler in dieser Phase sind selten spektakulär, meist sind es leise Gewohnheiten, die erst nach Jahren auffallen.
Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel umsetzt, dann diese Abfolge.
Die Grundstruktur oben kannst du allein umsetzen. In einigen Situationen lohnt sich ein anbieterneutraler Blick von außen:
Bei Steuerfragen, etwa zu Kapitalerträgen oder Vorsorgebeiträgen, ist der Steuerberater die richtige Adresse, bei Vertragsrecht der Fachanwalt. Für die Frage, wie aus dem Assistenzarztgehalt über Jahrzehnte ein Vermögen wird, gibt es Berater wie JS Investments, die seit über 17 Jahren anbieterneutral und ausschließlich mit Ärztinnen und Ärzten arbeiten.
Beispielrechnung: Was der Zeitvorteil in Zahlen bedeutet. Alle Werte sind Annahmen, keine Prognose: 300 Euro monatlicher Sparplan, eine beispielhafte durchschnittliche Rendite von 5 Prozent pro Jahr vor Steuern, Kosten und Inflation, Anlagehorizont bis zum 67. Lebensjahr. Reale Marktrenditen schwanken stark und können auch über längere Phasen darunter liegen.
Die Rechnung unterstellt eine konstante Rendite, die es in der Realität nicht gibt, und zeigt nur die Mechanik: Der frühe Start wirkt stärker als die höhere Rate.
Eine feste Regel gibt es nicht. Sinnvoll ist ein Prozentsatz vom Netto, der nach Miete, Fixkosten und realistischem Konsum übrig bleibt und dauerhaft durchhaltbar ist. Wichtiger als die Höhe ist, dass der Betrag per Dauerauftrag am Monatsanfang abgeht und bei jeder Gehaltserhöhung mitwächst.
Für die meisten ist gerade die Weiterbildung ein guter Zeitpunkt, weil sie die Phase mit dem längsten Anlagehorizont ist und der Zinseszins über Jahrzehnte am stärksten wirkt. Voraussetzung ist, dass Notgroschen und Berufsunfähigkeitsabsicherung stehen, damit du bei Kursrückgängen nicht verkaufen musst. Kursschwankungen gehören dazu, ein Ertrag ist nicht garantiert.
Die Berufsunfähigkeitsrente der Versorgungswerke setzt in der Regel voraus, dass du jede ärztliche Tätigkeit aufgibst, eine teilweise Berufsunfähigkeit reicht meist nicht. Die Höhe richtet sich nach der Satzung, deinen Beiträgen und eventuellen Zurechnungszeiten und reicht in den ersten Berufsjahren oft nicht für den Lebensstandard. Eine private BU schließt diese Lücke, und je jünger und gesünder du beim Abschluss bist, desto günstiger sind in der Regel Beitrag und Annahme.
Vergleiche den Zinssatz des Kredits mit der Rendite, die du realistisch von einer breit gestreuten Anlage erwarten kannst. Tilgen bringt dir rechnerisch eine Rendite in Höhe des Kreditzinses, ohne Marktrisiko. Liegt der Zins hoch, geht Tilgung vor, bei niedrigem Zins können Tilgung und Sparplan parallel laufen. Der Notgroschen sollte in beiden Fällen zuerst stehen.
Das Versorgungswerk ist eine solide Grundlage, aber die spätere Rente hängt von deinen Beitragsjahren und der Beitragshöhe ab und ersetzt in der Regel nur einen Teil des letzten Einkommens. Wie groß die Lücke ist, lässt sich mit der jährlichen Mitteilung deines Versorgungswerks über deine Anwartschaft abschätzen. Den Rest baust du über Depot, gegebenenfalls Immobilie und weitere Bausteine auf.
Selten als ersten Schritt. In der Weiterbildung ist oft unklar, wo du in fünf Jahren arbeiten wirst, und ohne Notgroschen und Eigenkapital ist eine Finanzierung wenig belastbar. Sinnvoll wird das Thema meist, wenn Standort, Einkommen und Familienplanung absehbar sind. Bis dahin baust du mit dem Sparplan das Eigenkapital auf.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Finanzanlagen sind mit Risiken verbunden, vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.
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